Nach langjähriger Planung erfolgte im März 2010 der Spatenstich für dieses Innovationsprojekt. Mit einer nur sieben Monate dauernden Bautzeit, konnte die Anlage in kürzester Zeit umgesetzt werden. Friedhelm Seeger von der Landbau Süd GmbH konnte für die Bauausführung gewonnen werden, unter dessen Federführung vielversprechende Projekte in der Mastschweineproduktion zusammen mit Betrieben der VG / VZ vorangetrieben und umgesetzt werden konnten. In der Zusammenarbeit als Novum zu betrachten ist die Großanlage des Rinderlaufhofes, die Spezies Tier wurde gewechselt. An der bestens funktionierenden Symbiose wurde nichts verändert.

Der Plan wurde trotz Wetter bedingter Schwierigkeiten erfüllt. Mit Volldampf gingen die Baumaßnahmen weiter, sodass am 15. Oktober 2010 das Projekt RBE an einem Tag der offenen Tür dem Publikum vorgestellt werden konnte.

 

 

Fünf Landwirte aus der Umgebung von Eberhardzell haben sich zu einer GmbH und Co. KG zusammengeschlossen und werden mit Unterstützung der VG gemeinsam den Bullenmastbetrieb in einer Kreislaufwirtschaft betreiben. Die Flächen wurden von den Landwirten zur Verfügung gestellt, der Stall wurde unter Gesichtspunkten der Tiergerechtheit und des Umweltschutzes, aber selbstverständlich auch unter Berücksichtigung der Ökonomie des Betriebes zukunftsweisend geplant.

 

Bullenkälber werden mit einem Gewicht von ca. 80 kg vornehmlich bei der KKS eingekauft und in einem mit Stroh eingestreuten Stalltrakt aufgezogen, bevor sie als Fresser mit 185 kg  in die Vormast überwechseln. Von hier aus gehen die Tiere in die Hauptmast. Umgestallt wird je in einem 3 Monatsrhythmus. Sind vorerst kleine Gruppengrößen von je 15 Tiere bis zur Vormast zusammengestallt, werden später ab der Vormast Gruppen von je 30 Tieren gebildet. Hier werden die Tiere langsam an die Futterration der Endmast gewöhnt: Die Umstellung erfolgt adaptiv und pansenfreundlich.

 

Nach 300 Tagen Endmast und einem Endgewicht von 680 bis 700 kg werden die Bullen mit der VZ an die Ulmer Fleisch GmbH mit einer Liefersicherheit von 12 Jahren fest vermarktet. Das komplexe Stallsystem bietet Platz für 1500 Tiere.

 

Die Stallplanung wurde vor allem von zwei, sich auf das Tierwohl aber prägnant auswirkenden Faktoren bestimmt: Licht und Luft. Großzügige Deckenhöhe, Fensterfläche an der geschlossenen Seite und Trennwände ohne Deckenschluss zum Außenbereich sprechen für ein ausgewogenes Stallklima mit guter Luftzirkulation ohne Zugluft, wenig Schadgasansammlung und genügend Licht und Bewegung. Im Kälberstall werden zusätzlich Wärmeplatten über dem Strohabteil abgehängt, sodass den Jungtieren ein Zweiklimastall mit moderater Temperaturanpassung an das Außenklima im Liegebereich zur Verfügung steht.

 

 

Durch die Unterteilung in die verschiedenen Lebens- bzw. Mastabschnitte können die Tiere tiergerecht angepasst ökonomisch gehalten werden, die Futterrationen auf ihre Bedürfnisse genau abgestimmt werden. Dies hat den Vorteil von optimaler Umweltverträglichkeit bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit: Zusätzliche Emissionen werden nicht in das Land getragen, keine überschüssigen Nährstoffe, die vom Tier nicht verwertet werden können, gehen in die Gülle. Durch die abgestimmten Futterrationen werden einerseits keine Nährstoffe, die bares Geld kosten, verschenkt, andererseits wird das Wachstum spotential optimal ausgeschöpft.

 

Eine angeschlossene Biogasanlage wird mit der Gülle des Bullenmaststalls gespeist, sodass die noch vorhandene Energie in Wärme und Strom umgesetzt werden kann. Nur wenig Substrat aus Maissilage wird zugeführt, um optimales Laufen zu gewährleisten. Erst dann wird die nun noch nährstoffärmere Gülle auf die Felder der mitwirkenden Landwirte ausgebracht, auf denen das Futter angebaut wird: Der Kreislauf schließt sich.

Zusätzlich sind die Dächer des Stalles mit Photovoltaik ausgestattet. Die Versorgung erneuerbarer Energie wird zusätzlich erhöht.